Product Owner ohne Scrum – Widerspruch oder inzwischen oft Alltag?

Product Owner ohne Scrum – Widerspruch oder inzwischen oft Alltag? - Dominique & Tim im Gespräch

In vielen Unternehmen kann man erleben, dass Menschen sich Product Owner nennen, obwohl ihr Team längst kein Scrum mehr lebt. Aber verdient ein Product Owner ohne Scrum überhaupt noch diesen Namen? Oder verliert der Titel dann seine Grundlage? In Trainings und Organisationen tauchen diese Fragen immer wieder auf. Die Rolle heißt dort dann oft weiterhin Product Owner, im Alltag bestimmt aber längst Kanban oder ein eigenes, vielleicht sogar informelles Vorgehen das Bild.

Historisch wurde der Begriff Product Owner durch Scrum verbreitet und bekannt. Zusätzlich taucht er im Scaled Agile Framework auf, dort allerdings mit einer anderen Bedeutung als im ursprünglichen Scrum Guide. Verschwindet Scrum aus einer Organisation, bleibt die Bezeichnung trotzdem oft bestehen. Sie hat sich auch im deutschsprachigen Recruiting fest etabliert. Menschen suchen nach wie vor deutlich häufiger nach Product Owner als nach Product Manager. Der Rollenname überlebt also das Framework, aus dem er stammt. Wechselt ein Team beispielsweise zu Kanban, lässt sich die Rolle Product Owner meist einfach weiterführen. Kanban selbst lässt offen, wer Prioritäten setzt und Entscheidungen trifft. Schwieriger wird es, wenn mit Scrum auch die Rituale verschwinden. Dabei geben diese Rituale einer Person erst die Möglichkeit, Produktverantwortung wirklich wahrzunehmen. Ohne Sprint Review fehlt der regelmäßige Moment für Feedback und Kurskorrektur. Ohne Retrospektive fehlt der Raum für die Weiterentwicklung der eigenen Zusammenarbeit. Und ohne ein sauber priorisiertes Product Backlog tauchen schnell wieder Listen auf, in denen fast alles gleich wichtig erscheint. An genau diesen fehlenden Kadenzen zeigt sich, wie viel von der ursprünglichen Rollenidee verloren geht, sobald ein Product Owner ohne Scrum arbeiten muss und nichts Vergleichbares an dessen Stelle tritt.

Zwischen Product Owner als Rollenbezeichnung und Product Ownership als eigentlicher Produktverantwortung liegt ein wichtiger Unterschied. Product Ownership beschreibt, wie viel Entscheidungsgewalt, Kundennähe und Gestaltungsspielraum ein Mensch oder ein ganzes Team für den Erfolg eines Produkts übernimmt. Das gilt unabhängig vom Framework und unabhängig vom Titel auf der Visitenkarte. Werkzeuge wie das Product Ownership Evolution Model oder eine klassische RACI Matrix machen diese Verantwortung sichtbar, statt sie stillschweigend vorauszusetzen. Wer offen mit Führungskräften und Stakeholdern klärt, wie viel Ownership das Unternehmen tatsächlich überträgt, gewinnt echte Klarheit. Das gilt ganz gleich, ob am Ende Scrum, Kanban oder gar kein Framework im Hintergrund steht. Fehlt diese Klarheit, ziehen sich viele Menschen in vertraute Muster zurück und aus ihnen werden reine Verwalter des Backlogs, obwohl der Titel eigentlich Gestaltung verspricht. Diese Lücke zwischen Erwartung und gelebter Rolle erzeugt bei Betroffenen häufig eine stille Unsicherheit. Besonders dann, wenn eine Organisation den Rollenwechsel nie bewusst und offen kommuniziert hat. Manche Unternehmen begegnen dieser Unschärfe mit einem neuen Namen, etwa Product Lead oder Head of Product. Ein neues Etikett allein schafft dabei aber noch keine Rollenklarheit. Solange niemand Entscheidungsbefugnisse, Erwartungen und den Zugang zu Kundinnen und Kunden ausdrücklich benennt, verändert sich wenig.

Dominique und Tim geben eine Empfehlung an alle, die sich in genau dieser Situation wiederfinden: Die Frage nach dem passenden Titel tritt in den Hintergrund, sobald echte Klarheit über Entscheidungsrechte, Erwartungen und Handlungsspielräume entsteht. Wer als Product Owner ohne Scrum arbeitet, sollte diese Klarheit aktiv im eigenen Umfeld einfordern. Sonst bleibt oft nur die stille Anpassung an einen unpassenden Titel. Ob am Ende der Titel Product Owner bleibt oder eine andere Bezeichnung ihn ablöst, verliert dadurch spürbar an Bedeutung.

Bist du auch in einem Unternehmen mit Product Owner, aber ohne Scrum? Wie geht ihr bei euch mit der PO-Rolle um wenn kein Scrum praktiziert wird? Teilt eure Erfahrungen doch mit uns und der Community auf LinkedIn oder unter diesem Blogpost!

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