Was ist eigentlich das Produkt? – Ein Erfahrungsbericht

Was ist eigentlich das Produkt? - Ein Erfahrungsbericht - Philipp Weiß im Gespräch mit Oliver

Philipp Weiß von Transfermarkt ist bei Oliver zu Gast, und die beiden widmen sich einer Frage, die im Alltag vieler Product Owner lauert: Was ist eigentlich das Produkt? Sie klingt harmlos. Wer sie ernst nimmt, landet aber schnell bei Produktvision, Teamzuschnitt, Metriken und Priorisierung. Aus einer scheinbar simplen Definitionsfrage wird so ein handfestes Thema für die gesamte Organisation.

Transfermarkt gibt es seit dem Jahr 2000. Daraus ist die größte öffentlich zugängliche Fußballdatenbank der Welt geworden, mit rund 1,5 Millionen Spielern und über drei Millionen Spielen. Die Community pflegt die Daten nach dem Wikipedia Prinzip, meist ehrenamtliche Prüfer kontrollieren jede Korrektur. Dazu kommen Profile, Marktwerte, News, ein großes Forum, Spiele, Tools und ein kleiner B2B Bereich. Die Plattform läuft in 16 Sprachen auf 27 Domains. Wer so breit aufgestellt ist, kommt mit dem Satz „die Website ist unser Produkt“ nicht mehr weit.

Genau dort beginnt die Herausforderung. Eine Produktvision für das komplette Angebot bleibt so allgemein, dass sie im Alltag kaum jemandem hilft. Sie wird dann nicht konkreter als die Unternehmensmission. Eine North Star Metric leidet unter demselben Problem. Auf Seitenebene bleiben oft nur Visits, Nutzer oder Seitenaufrufe übrig. Nimmt man dagegen einen kleineren Ausschnitt, etwa die Datenpflege durch die Community, wird plötzlich eine Kennzahl wie eingereichte Korrekturen pro Tag möglich. Der Zuschnitt entscheidet also darüber, ob die gängigen Methoden überhaupt greifen.

Für diesen Zuschnitt gibt es mehrere Wege. Der naheliegende trennt nach Kanal, also App und Website. Das erleichtert die technische Arbeit, weil Teams auf einer Technologie bleiben. Es erzeugt aber leicht Brüche im Nutzungserlebnis, und die merken Menschen sofort. Ein zweiter Weg teilt fachlich auf, etwa in Statistik, Community, Content, Gaming und B2B. Ein dritter orientiert sich schlicht an der vorhandenen Personaldecke. Ein vierter geht von Nutzerbedürfnissen aus: nachschlagen, Fußball verfolgen, diskutieren, beitragen oder die Plattform beruflich nutzen.

Der Blick auf Bedürfnisse hat einen sehr praktischen Vorteil. Priorisieren fällt leichter, wenn die verglichenen Dinge auf derselben Flughöhe liegen. Ein zahlender Premiumservice für Beratungsagenturen gegen einen zusätzlichen Filter in der Statistik: dieser Vergleich führt selten zu guten Entscheidungen. Der Zuschnitt nimmt einen Teil der Priorisierung bereits vorweg. Wer festlegt, wie viele Menschen an welchem Bereich arbeiten, muss diese Debatte nicht mehr an jedem einzelnen Backlog Item führen.

Es gibt noch eine unbequeme Alternative: einfach weniger machen. Gewachsene Plattformen schleppen Funktionen mit, die kaum noch jemand nutzt und die trotzdem Pflege kosten. Die Gegenargumente klingen dabei immer vernünftig. Zehn Nutzer am Tag sind schließlich mehr als null. Dazu kommt Emotionalität, gerade wenn das eigene Team das eigene Spiel selbst spielt. Trotzdem gilt: Jedes Feature, das bleibt, macht die Antwort auf die Frage „Was ist eigentlich das Produkt“ ein Stück schwerer.

Fokus schlägt Vollständigkeit. Wer sich auf wenige Zielgruppen und wenige Probleme konzentriert, beantwortet die Produktfrage fast nebenbei. Das passt zum Strategieverständnis von Roger Martin, ein Spielfeld bewusst zu begrenzen und danach zu klären, wie man dort gewinnen will. Eine solche Festlegung trifft niemand im Alleingang. Sie braucht eine kleine Runde inklusive Geschäftsführung, weil sie Prioritäten für das ganze Unternehmen setzt. Und sie braucht Stakeholder, die das Ergebnis danach wirklich mittragen.

Am Ende zählt weniger die perfekte Definition als die Klarheit darüber, worauf sich alle für die nächsten zwölf oder achtzehn Monate einigen. Matt LeMay nennt das Clarity over Comfort, also Klarheit vor Bequemlichkeit. Philipp und Oliver erzählen, wie unbequem dieser Weg ist und warum er sich trotzdem lohnt.

Kämpfst du selbst auch mit der Frage, was eigentlich dein Produkt ist? Willst du auch den Produktzuschnitt in deiner Organisation klären, aber weißt nicht so richtig wie? Teilt eure Gedanken und Erfahrungen mit diesem scheinbar simplen Thema doch mit uns und der Community auf LinkedIn oder unter diesem Blogpost! Es gibt mehr Produktmenschen mit diesen Problemen als du denkst.

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